Maier findet die Kontrolle – und Prgomet kein Gegenmittel
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Clemens Maier dreht das Match – und stürmt ins Halbfinale

Clemens Maier – Milan Prgomet 3:6, 6:3, 6:2
Dieses Duell hatte schon im Vorfeld einiges zu bieten. Auf der einen Seite Milan Prgomet, der kroatische Dauerbrenner, ausgestattet mit reichlich Erfahrung, Geduld und vermutlich mehr Matchkilometern als so mancher Vereinsbus. Auf der anderen Seite Clemens Maier, jung, explosiv, schwer zu zähmen und mit einer Schlaghand, bei der man gelegentlich froh sein muss, dass hinter dem Platz ein Zaun steht.
Nicht umsonst wird Clemens immer wieder mit Ben Shelton verglichen. Sein Aufschlag kratzt regelmäßig an neuen Geschwindigkeitsrekorden, seine Hand gilt als eine der schnellsten im Club – und manchmal ist selbst Clemens nicht ganz sicher, wo der Ball landet, wenn diese Hand einmal vollständig beschleunigt. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Weltklasse, Wahnsinn und leichter Gefahr für unbeteiligte Zuschauer.
Milan versuchte es vor der Partie offenbar sogar noch mit einer ganz besonderen Form der Matchvorbereitung: Eine Einladung in sein Fischlokal sollte Clemens womöglich milde stimmen. Der augenzwinkernde „Bestechungsversuch“ scheiterte allerdings. Clemens ließ sich weder kulinarisch noch sportlich vom Kurs abbringen.
Zu Beginn zeigte Milan dann, warum Erfahrung im Tennis durchaus hilfreich sein kann. Während Clemens noch damit beschäftigt war, seine Geschosse halbwegs innerhalb der Spielfeldbegrenzung unterzubringen, spielte Prgomet ruhig, clever und abgebrüht. Er ließ sich von der jugendlichen Artillerie nicht beeindrucken und sicherte sich den ersten Satz verdient mit 6:3.
Danach geschah allerdings etwas, das Milan vermutlich lieber verhindert hätte: Clemens bekam seine Schläge unter Kontrolle.
Plötzlich flogen die Bälle nicht mehr irgendwo Richtung Nachbarplatz, sondern erstaunlich oft dorthin, wo sie tatsächlich hinsollten. Die Topspin-Schläge wurden immer giftiger, die Aufschläge immer wuchtiger und seine Vorhand entwickelte zunehmend jene Mischung aus Tempo und Wucht, bei der man als Zuschauer instinktiv einen halben Schritt zurückgeht.
Mit 6:3 holte sich Clemens Satz zwei und spätestens jetzt wurde es für Milan zunehmend ungemütlich. Der kroatische Dauerbrenner versuchte mit Routine, Übersicht und taktischem Geschick dagegenzuhalten, doch Maier hatte inzwischen Betriebstemperatur erreicht. Seine Topspin-Bälle sprangen hoch, seine Vorhände schlugen tief ein und beim Aufschlag dürfte die Radaranlage zwischenzeitlich um eine kurze Pause gebeten haben.
Im dritten Satz war Clemens schließlich endgültig entfesselt. Milan kämpfte, lief und versuchte alles, doch gegen die Kombination aus jugendlicher Power, schnellster Hand des Clubs und plötzlich erstaunlicher Zielgenauigkeit war an diesem Abend wenig auszurichten. Mit 6:2 machte Maier den Sack zu und zog ins Halbfinale ein.
Dort wartet nun Leopold Miksch – und damit ein echtes Schmankerl: das Duell der Nachwuchshoffnungen. Zwei junge Spieler, jede Menge Tempo und vermutlich wenig Interesse an langen, gemütlichen Ballwechseln.
Die Zuschauer dürfen sich also auf ein Halbfinale freuen, bei dem eines ziemlich sicher ist:
Wer hinter der Grundlinie steht, sollte aufmerksam bleiben. Wer daneben steht, besser auch.


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